Warum wurde ich Vegan?

Ja, warum eigentlich? Das ist tatsächlich eine sehr gut Frage! Ich werde mal versuchen so ausführlich wie möglich zu erklären, warum und wie ich mich dafür entschieden habe vegan zu leben.

Bevor ich den Gemahl kennenlernte, habe ich mir nicht wirklich Gedanken darüber gemacht, woher mein Steak eigentlich kommt. Klar, von einer Kuh, aber was genau steckte dahinter? Das war mir nicht wirklich bewusst und wenn ich ganz ehrlich bin, wollte ich das wohl auch nicht so genau wissen. Ich wollte nichts von Tierleid hören oder sehen. Für mich war es irgendwie völlig normal Fleisch zu essen, schließlich haben wir das ja schon immer so gemacht. Also, warum sollte ich mich dafür verantworten?

Irgendwann kam dann aber doch mal so der Gedanke, dass es vielleicht nicht ganz so cool ist, was hinter verschlossenen Stalltüren abläuft. Ich fing an ein bisschen drüber nachzudenken und beschloss, dass tierische Produkte aus Massentierhaltung nicht gut sind und ich stattdessen lieber auf Bio umsteigen sollte, denn Bio ist ja viel besser (Heute bin ich schlauer). Allerdings wurde mir das nicht allzu leicht gemacht. Ich war in einer Beziehung zu einem Mann, der einfach jeden Tag sein Fleisch „brauchte“. Schließlich essen echte Männer Fleisch. Keine besonders kluge Aussage, aber rückblickend betrachtet, tut er mir ein bisschen leid, dass er durch äußere Einflüsse zum Opfer toxischer Maskulinität wurde. Da ich nicht viel zu sagen hatte, wurde weiter abgepacktes Billigfleisch gekauft und die gute alte H-Milch für 0,99 € der Liter.

Die Trennung von diesem Mann und das Erscheinen des Gemahls auf der Bildfläche wurde dann zu einem absolutem Game Changer. Der Gemahl war damals schon vegan unterwegs und sagte auch ganz klar, dass er kein Problem damit hätte, wenn ich weiter Fleisch essen würde, aber zubereiten müsste ich das schon selbst. Da ich keine Lust hatte, zwei verschiedene Gerichte zuzubereiten, Bzw. meine Küche auch einfach zu klein war, um zwei kochenden Menschen platz bieten zu können, gab es hauptsächlich vegane Gerichte und ich musste zu meiner Überraschung feststellen, dass vegan eigentlich ganz geil ist. Zu mal ich mir auch nicht wirklich im Klaren darüber war, wie viele Produkte, die ich schon ewig aß vegan sind.

Ich war allerdings noch nicht wirklich bereit, Fleisch komplett abzuschwören. Ich aß es noch, wenn ich alleine war und nur für mich kochen musste, oder wenn wir Pizza bestellten. Allerdings war ich endlich da, wo ich schon lange hin wollte. Fleisch gab es nur noch selten und wenn, dann vom Metzger um die Ecke. Mein Gewissen war also endlich rein. Das bildete ich mir zumindest ein.

Der Gemahl beschloss irgendwann, dass es an der Zeit für mich wäre, den Film Earthlings zu sehen.

„Wenn du das sehen und weiterhin Fleisch essen kannst, dann ist das eine Entscheidung, die du ganz bewusst getroffen hast.“

Das war damals seine Aussage. Und ich stimmte zu. Ich sollte mich wirklich besser damit auseinandersetzen wo meine Wurst eigentlich her kommt.

Also sah ich mir Earthlings an. 90 Minuten lange Minuten, saß ich da und war schockiert, von dem was ich sah. 90 Minuten liefen mir die Tränen. Wie konnte ich mit diesem Wissen, weiter Nutznießer dieser Industrie sein? Ich wollte keine Mitschuld mehr daran tragen, dass dieser Massenmord täglich weiter passierte, nur damit ich ein Salamibrot essen konnte.

Ich beschloss, dass Fleisch ab sofort nicht mehr auf den Tisch kommt. Trotzdem war ich noch nicht bereit, mich komplett zu veganisieren. Ich blieb noch ungefähr zwei Jahre an Fisch und Käse hängen. Bis ich auch da endlich ein Einsehen hatte. Warum andere Tiere aus ethischen Gründen nicht mehr essen wollen, wenn Fisch immer noch eine Ausnahme darstellt? Ist ein Hering denn weniger wert, als ein Schwein, eine Kuh oder ein Huhn?

Ganz sicher nicht! Jedes Leben ist gleich wertvoll!

Der Gemahl und ich haben allerdings hin und wieder vegetarische Ausnahmen gemacht, wie z.B. Schokolade von bekannten Firmen gekauft oder im Restaurant Gerichte bestellt, die Käse oder Eier enthielten.

Aber auch da haben wir jetzt für uns beschlossen, dass diese Haltung nun vorbei ist. Wir werden kein Geld mehr für nicht vegane Produkte ausgeben. Zu schrecklich ist einfach die Tatsache, dass wir damit immer noch Massentierhaltung unterstützen. Und gerade in Hinblick auf unseren Sohn, ist es uns wirklich ein Anliegen, dass wir ihm ein Bewusstsein dafür mitgeben, was er eigentlich isst. Und da hilft e nur, selbst als Vorbild voranzuschreiten.

Vor ein paar Wochen haben wir uns Dominion angesehen und nach den ersten fünf Minuten, war mir vollkommen klar, dass unsere Entscheidung konsequent vegan zu leben, richtig ist.

Meine Entscheidung vegan zu leben, ist eine rein ethische. Später kamen noch ein paar gesundheitliche und einige Umweltaspekte dazu, auf die ich jetzt nicht näher eingehen möchte, um den Rahmen nicht zu sprengen. Aber ich denke, das wäre auf jeden Fall noch einen weiteren Post würdig.

Ich bin also nicht auf anhieb zur Veganerin geworden, sondern machte einen Prozess durch. Das geht wohl den meisten Menschen so. Der Gemahl hatte anfänglich auch beschlossen, dass es ausreichend wäre, vegetarisch zu leben, bis er für sich feststellte, dass es das doch nicht ist.

Die Entscheidung, was man isst und was eben nicht, kann man niemandem abnehmen, das liegt bei jeder Person selbst. Es sollte aber definitiv mehr Aufklärungsarbeit bertrieben werden, um ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass unsere Entscheidungen immer Auswirkungen haben, ganz besonders auf das Leben anderer Spezien.

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